Freitag, 19. September 2008

Porto, Madeira - und Moscatel: Portugals (fast) vergessener Dessertwein wird 100


Autor: Gilberto 15. September 2008

Die dunkelgelb schimmernde Farbe, der würzige Geschmack von Trauben mit einer Prise Atlantikluft: Der Dessertwein “Moscatel de Setúbal” gibt seine Geheimnisse nur Schlückchen für Schlückchen preis. Dieses Jahr ist die perfekte Gelegenheit, den fast vergessenen “kleinen Bruder des Portweins” wieder zu entdecken: Denn der Moscatel feiert seinen 100. Geburtstag - offiziell zumindest, denn die Geschichte des Weins und seiner besonderen Traube geht zurück bis zu den alten Ägyptern.

“Vinho Generoso” nennen die Portugiesen ihre süßen Dessertweine, wie etwa den weltbekannten Portwein. Übersetzt heißt das: Großzügiger, freigiebiger Wein. Der Gattung nach gehört auch der Moscatel de Setúbal zu den “großzügigen Weinen” - mit seinem schüchternen Auftreten und wenig Gewese um sich selbst zählt er jedoch eher zu den scheuen Vertretern seiner Art. Dabei hätte der Moscatel eine falsche Bescheidenheit gar nicht nötig - enthält er doch die Spuren einer langen Geschichte und kann mit dem üppig wuchernden Charakter seiner Heimat, der Naturregion “Serra da Arrábida” punkten. Nicht im überzeugten Rubinrot des Portweins kommt der Moscatel daher, sondern in einer dunkelgelb-orange schimmernden Farbe - ein Ton, so voll und reich beladen wie das Licht beim Sonnenuntergang nach einem warmen und satten Sommertag. Und auch im Geschmack setzt der Moscatel seine eigenen Akzente: Trotz seiner edlen Süße bewahrt er sich würzige Noten im Aroma, den Duft von Blüten und einen Hauch Salzluft aus dem nahen Atlantik.


Über Jahrhunderte hinweg hat sich der Moscatel so seinen eigenen Charakter bewahrt - und schien auch stets mit sich selbst zufrieden zu sein. Während es den Portwein über die Grenzen hin zu weltweiter Beliebtheit zog, blieb der Moscatel de Setúbal fast ausschließlich der eigenen Heimat verbunden. Selbst in Portugal ist der Moscatel eine stellenweise unbekannte Größe. Getrunken wird der Wein zumindest fast ausschließlich rund um sein Anbaugebiet in der Serra da Arrábida in Setúbal und Lissabon. Größere Mengen für den Konsum stünden auch gar nicht zur Verfügung: Das Anbaugebiet der Moscatel de Setúbal-Traube (zu Deutsch: Muskateller) umfasst gerade einmal 330 Hektar - die Trauben für den Portwein nehmen eine hundert Mal größere Fläche ein.

Trotz des geringen Bekanntheitsgrad ist der Moscatel alles andere als eine Provinzgröße. Eine geschützte Herkunftsbezeichnung (”denominação de origem”) schützt die besondere Herstellungsweise des Dessertweins. So besteht der Wein zu mindestens 85 Prozent aus Trauben der Sorte “Moscatel de Setúbal” sein (oder der roten Variante Moscatel Ruxo). Die Reifezeit muss mindestens zwei Monate betragen. Qualitätsgarantien, die nun genau ein ganzes Jahrhundert Bestand haben.

Eine Jubiläumsedition des Moscatel de Setúbal. Foto: Pedro Cavaco auf Flickr

Ein offizieller Geburtstag - doch die Geschichte der Traube und des Weins geht viele hundert Jahre früher zurück. Es waren die Römer, die die Vorzüge der ursprünglich in Ägypten beheimateten Moscatel-Traube erkannten - und diese dann in die mediterranen Ecken ihres Weltreiches exportierten. Portugal, das einstige Lusitanien, war mit seinem atlantischen Klima vielleicht nicht die ideale gleichermaßen zum Verzehr wie auch für den Weinanbau geeignete Traube. Doch an manchen Punkten, wie etwa in der gegen die strengen Atlantikwinde geschützten Serra da Arrábida mit ihrem fast mediterranen Klima fand der Weinimport aus Ägypten eine Heimat.

Selbst zu Zeiten der eher abstinent lebenden Mauren pflegten die Menschen dieser Region den Anbau der Moscatel-Traube. Kein Wunder, dass man bei einer derartigen Kontinuität die Kultur- und Naturlandschaft auch im Geschmack des Moscatel-Weins wiederfindet. Und so lohnt es sich auch besonders, den Moscatel in seiner Heimatregion kennenzulernen. Eine gute Möglichkeit für eine Entdeckungsreise in Sachen Moscatel bietet die Touristenroute “Por Terras da Arrábida“, eine von sechs verschiedenen “Weinrouten auf der Halbinsel Setúbal“.


Sonne und Meer: Die Serra da Arrábida, Heimat des Moscatel. Foto: Portuguese Eyes auf Flickr

Hier, nur eine gute Stunde Fahrt von Lissabon entfernt, lässt sich eine faszinierende Naturregion mit zahlreichen geschützten Tier- und Pflanzenarten bewundern - und auch immer wieder Spuren des Moscatels finden. Sei es auf den verschiedenen Weingütern an der Route, auf verschiedenen Dorf- und Weinfesten oder auch im kleinen “Wein-Museum”, das den Caves de José Maria da Fonseca in Azeitão angegliedert ist. Der Gründer von letzterem Weingut, José Maria de Fonseca, hatte Mitte des 19. Jahrhunderts die revolutionäre Idee, Wein in Flaschen abzufüllen - und machte mit dem Moscatel den Anfang. Doch selbst dieser kommerzielle Schachzug machte den Moscatel nicht zu einem Exporthit - anscheinend ist der Moscatel de Setúbal wirklich ein Charakter, der nur in seiner Heimat gerne getrunken werden möchte.

Donnerstag, 11. September 2008

Lissabon verteilt 3 Millionen Energiesparlampen

Als Massnahme, die Bevölkerung zum Energiesparen anzuhalten, verschickt das Wirtschaftsministerium seit gestern Gutscheine für Energiesparlampen an 600.000 Haushalte.
Als Empfänger dieser Gutscheine wurden Haushalte mit geringem Einkommen ausgewählt, wobei in die Auswahlkriterien auch der Stromlieferungsvertrag (potência contratada) und der Verbrauch eingeflossen sind.
Die Gutscheine für je 5 Energiesparlampen können in grossen Supermärkten eingelöst werden.
3 Millionen Lampen werden insgesamt verteilt, wobei ein Grossteil auf Lissabon und Porto entfällt.
Quelle: http://diarioeconomico.sapo.pt...1163089.html
Foto: (C) Creative Commons-Lizenz / Impala74 auf Flickr