Sonntag, 31. August 2008

20 Jahre nach dem Brand: Lissabons neues altes Herz versucht die Wiederbelebung

Autor: Gilberto | 25. August 2008

Seit dem Erdbeben von 1755 war dies wohl die schlimmste Katastrophe, von der die Stadt Lissabon heimgesucht wurde: Am 25. August 1988 zerstörte ein Feuer weite Teile des Stadtviertels Chiado. Heute, genau zwanzig Jahre später, ist der Wiederaufbau der zerstörten Häuser weitgehend abgeschlossen - und doch sucht das Herz Lissabons weiterhin nach seiner alten Seele.

Wer hätte erwarten sollen, dass der 25. August 1988 im Lissaboner Einkaufs- und Intellektuellenviertel Chiado ein anderer Tag werden sollte wie etwa der 24. oder 23. August? Wie an jedem anderen Morgen standen die Inhaber der zahlreichen Traditionsgeschäfte des Chiado früh auf, um zu ihren Läden zu gelangen. Um die neue Ware auszulegen, um Kunden zu beraten, und um einfach ein paar Menschen zu sehen. Doch als die Geschäftsleute in der Frühe ihre Läden erreichten, war alles ganz anders: Ganze Straßenzüge des Viertels standen in Flammen.

Es war im Morgengrauen, um 5:17 Uhr, als bei der Feuerwehr der erste Hilferuf einging: In den Räumen des traditionsreichen Kaufhauses Grandella brennt es. Wie spätere Untersuchungen zeigten, brach das Feuer eine gute dreiviertel Stunde vor dem ersten Notruf aus - und setzte sich dann, angeheizt von explodierenden Gasflaschen, in rasender Geschwindigkeit auf die eng anliegenden Nachbargebäude fort.

Feuer im Chiado: Originalberichte und Bilder vom großen Brand im Jahr 1988.

Für die Feuerwehrmänner wurde dieser Brand zur fast unlösbaren Aufgabe: Die gerade zu Verschönerungszwecken verengte Rua Garrett erwies sich als kritisches Nadelöhr, das den Feuerwehrautos den direkten Zugang zum Brandherd verweigerte. Die Straßen waren überfüllt von Menschen, und die Wucht der explodierenden Gasflaschen machten ein rasches Eingreifen unmöglich - und das, obwohl die Feuerwehr mit 1.150 Männern gegen die Zerstörung des Lissaboner Stadtzentrums ankämpfte. Einer der “Bombeiros” bezahlte den Einsatz sogar mit seinem Leben, 60 weitere Kollegen wurden verletzt.

Erst in den Mittagsstunden konnte das Feuer unter Kontrolle gebracht werden, und noch Tage später hing Brandgeruch über der Stadt. Innerhalb weniger Stunden verwandelte sich das Herz von Lissabon in eine unwirtliche urbane Wüste. 18 Gebäude, meist aus dem 18. Jahrhundert, mit einer Grundfläche von 7.500 Quadratmetern brannten bis auf die Grundmauern nieder. Zwischen 200 und 300 Menschen verloren ihre Wohnung.

Einst das kommerzielle Zentrum der Stadt

Und auch wirtschaftlich war das Feuer eine Katastrophe für das Stadtviertel: Über Nacht verloren rund 2.000 Menschen ihren Arbeitsplatz, vor allem in den ruinierten Kaufhäusern “Grandella” und “Grandes Armazéns do Chiado”. Die Flammen zerstörten schließlich eines der kommerziellen Zentren des alten Lissabons. Hier, in den Straßen, die sich von der Baixa hoch ins Bairro Alto ziehen, entstand während der Wende zum 20. Jahrhundert das beste und nobelste Einkaufsviertel von Lissabon.

Wer den neuesten Chic aus Paris suchte, wurde im Chiado fündig - und das nicht nur in den nach Lafayette-Vorbild errichteten Warenhäusern, sondern auch in Dutzenden kleiner Fachgeschäfte, von denen die meisten nach dem Brand nicht mehr wiedereröffneten.

Und obwohl der Glanz dieser alten Einkaufswelt in den achtziger Jahren schon etwas ramponiert war, so lebte hier der alte Chiado noch weiter. Heute erhalten gebliebene Geschäfte, wie “Paris em Lisboa“, das Casa Perreira oder auch das für seine Fernando Pessoa-Statue bekannte Café Brasileira stehen als letzte verbliebene Botschafter für den Charme der vergangenen Tage - aber sie stehen allein, schon umzingelt und bedrängt von den gesichtslosen Filialen der internationalen Handelsketten.

Schleppender Wiederaufbau

In den Jahren der Wiederaufbauzeit hat sich Lissabon insgesamt verändert: Neue Shopping-Malls am Stadtrand zogen die Kundschaft an und auch in traditionellen Einkaufsvierteln setzten sich die finanzkräftigen internationalen Konzerne durch. So veränderten sich die Besucherströme in Lissabon weg vom Chiado hin zu anderen Vierteln - zumal sich der Wiederaufbau nicht zuletzt wegen zahlreicher Besitzstreitigkeiten vor Gericht lange hinzog.

Doch immerhin: Der Wiederaufbau des Chiado, geleitet vom Architekten Álvaro Siza aus Porto, ist trotz etlicher Verzögerungen im Großen und Ganzen abgeschlossen - und auch recht gelungen. Siza sorgte dafür, dass die alten Fassaden im Chiado möglichst originalgetreu wieder errichtet werden. Im Inneren der Häuser entstanden jedoch moderne Büro- und Geschäftsflächen.

So locken heute wieder die Art-Deco-Fassaden der “Grandes Armazéns do Chiado” und von Grandella die Kundenströme an - doch im Gegensatz zu früher ist im Inneren der Häuser ein modernes Einkaufszentrum entstanden, das sich im Besitz einer Tochterfirma der deutschen Commerzbank befindet.


Die Armazéns do Chiado: Als Shopping-Center wiedereröffnet. Foto: (cc) scalleja auf Flickr

Kommerziell erwies sich der Wiederaufbau des Chiado für die internationalen und portugiesischen Investoren durchaus als lohnende Wertanlage. Nach Informationen des “Diário Económico” haben sich die Immobilienpreise in der vom Brand betroffenen Gegend seit 1988 mehr als verdoppelt - ein höherer Anstieg als in anderen Teilen Lissabons.

Häuser wiederaufgebaut, Geschäfte und Büros vermietet: Eigentlich eine Erfolgsgeschichte. Und doch denken viele Lissaboner mit Wehmut an die alten Zeiten des Chiado zurück. Denn mögen heute die meisten Spuren des Großbrandes verschwunden sein (nur in wenigen Häusern wie etwa der Fassade des Restaurants Palmeira in der Rua do Crucifixo lassen sich noch Zeugnisse des Feuers erkennen), so spürbar ist die Katastrophe weiterhin im Lebensfluss des Viertels.

Vor allem nach Ladenschluss sind zahlreiche Straßen im Chiado wie leer gefegt: Noch fehlt es an Möglichkeiten für Nachtschwärmer, noch haben die alten Besucherströme nicht zurückgefunden. Aber vielleicht braucht die Wiederbelebung des alten Herzens von Lissabon einfach noch etwas mehr Zeit. Und in vielen Nebensträßchen, da spürt man schon wieder etwas Aufbruchsstimmung und den kreativen Geist alter Tage: Neue, spezialisierte Geschäfte wie etwa die Spezialitätenhandlung “A Vida Portuguesa” haben sich hier etabliert, interessante Cafés und Kneipen entwickeln sich - und ein regelmäßiges Fest auf den Straßen des Chiado versucht auch wieder, mit Kultur und Kommerz die werte Kundschaft anzulocken.

Chiado, onde estás - Chiado, wo bist Du? Ein wehmütiges Graffitti erinnert auf den neu errichteten Mauern an alte Zeiten. Foto: asvensson auf Flickr

Der Chiado wurde nach jahrzehntelangen Reparaturarbeiten wieder in die Freiheit entlassen - und das Augenmerk der Lissaboner Stadtplaner richtet sich nun vor allem auf die angrenzenden Viertel wie der Baixa oder den Straßen um die Avenida da Liberdade. Denn hier gab es zwar keinen Großbrand - doch die Viertel leiden unter einem nicht weniger zerstörerischen, schleichenden Verfall ihrer historischen Bausubstanz.

Tausende Häuser stehen leer und sind oftmals einsturzgefährdet. Einst blühende Ausgehviertel wie etwa der Parque Mayer an der Avenida da Liberdade sind Dauerstreitthema in der Stadtpolitik - und verkommen mit jedem Tag ein Stückchen weiter. Der Leerstand schadet nicht nur dem Leben in der Stadt - sondern ist, im wahrsten Sinne des Wortes, auch brandgefährlich.

Weiterhin bestehendes Brandrisiko in Lissabon

Die leer stehenden, ungepflegten Gebäude erhöhen das Brandrisiko und die Wahrscheinlichkeit für eine flächendeckendere Ausbreitung von Feuern in der Stadt. Lissabons Stadtplaner Manuel Salgado bringt diese Gefahr klar auf den Punkt: “Wir haben die große Befürchtung, dass es in der Baixa zu einer ähnlich großen Katastrophe kommen kann wie beim Brand im Chiado”, sagte Salgado heute erst wieder dem Radiosender TSF.

Und die Bilder des Chiado-Feuers tauchen mit schöner Regelmäßigkeit wieder in der Vorstellung der Lissaboner auf - zuletzt vor wenigen Wochen bei einem Brand an der Avenida da Liberdade, der glücklicherweise recht glimpflich ausging.

Immerhin, im Chiado sollte eine solche Katastrophe nicht mehr möglich sein. Hier hat sich in Sachen Feuerprävention seit dem 25. August 1988 viel verändert: Die Feuerwehr ist wesentlich besser ausgerüstet und auch der Brandschutz der neu errichteten Häuser selbst wurde mit viel Aufwand verbessert. Der Chiado, er hat nun zwanzig Jahre nach der großen Katastrophe die Zeit, seine alte Seele wiederzufinden.

Donnerstag, 21. August 2008

Gold für Portugal


Der 24jährige Athlet Nelson Évora errang heute im Dreisprung die erste Goldmedaille für Portugal bei den Olympischen Spielen in Peking. Mit einer Weite von 17,67 m besiegte er den Briten Idowo (17,62m - Silber) und Leevan Sands aus den Bahamas (17,59m -Bronze).
Nelson Évora wurde an der Elfenbeinküste geboren, seine Eltern stammen aus Cabo-Verde. Er kam im Alter von 5 Jahren nach Portugal und trainiert bei Benfica Lissabon.
Am 18.08. hatte bereits Vanessa Fernandes eine Silbermedaille im Triatlon für Portugal gewonnen.
Quelle: http://olimpicos2008.publico.clix.pt..=1339876
Foto: (C) Creative Commons-Lizenz / caboindex auf Flickr