Montag, 31. März 2008

Die Stadt Porto und ihr Reichtum. Die Großkaufleute und der Welthandel

Gut recherchiert und locker dargelegt und erzählt von Ralf in seinem Blog "Briefe an Konrad"

Portugal - mehr Rechte für Bahnkunden

Ab 26. April gelten in Portugal neue gesetzl. Bestimmungen für Bahnkunden ( Decreto-Lei 58/2008 vom 26.März).
Danach kann ein Passagier 75% des Fahrpreises zurückverlangen, wenn er die Fahrt nicht antritt. Dies gilt für alle Regional-, Inter- regional- und Langstrecken.
Die Rückerstattung muss verlangt werden:
- bis 3 Stunden vor Abfahrt, wenn es sich um einen Zug mit Sitzplatzreservierung handelt (Alfa Pendular und Intercidades)
- bis 30 Minuten vor Abfahrt bei Regional- und Interregionalzügen.

Bei Verspätungen, die die Bahn zu vertreten hat, kann der Fahrgast die Erstattung des gesamten Fahrpreises verlangen unter folgenden Voraussetzungen (gilt nicht für Urbanos und Suburbanos)
a) verspätete Abfahrt:
- die Fahrtzeit soll regulär weniger als 1 Stunde dauern, die Verspätung beträgt mehr als 30 Minuten;
- die Fahrtzeit soll regulär 1 Stunde oder länger betragen, die Verspätung beträgt 60 Minuten;
b) verspätete Ankunft:
die Verspätung dauert 60 Minuten oder mehr u n d die tatsächliche Reisedauer (zuzüglich Verspätung) übersteigt 150% der fahrplanmässigen Reisezeit.

Der Fahrgast hat nach den neuen Bestimmungen ein Recht darauf, sich die Verspätung schriftlich bestätigen zu lassen.
Weitergehende Schadensersatzansprüche gegen die Bahn wegen Verspätung oder Ausfall eines Zuges sind auf 250 Euro beschränkt.
Die neuen Bestimmungen treten am 26. April in Kraft.
Quelle: http://dre.pt/pdf1sdip....0175401762.PDF

Das Meer nagt an der Costa da Caparica

Diesen sehr interessanten und gut rechererchierten Blogbeitrag von Gilberto vom 29.03.2008 haben wir gefunden bei portugalmania.de:

Der Lieblings-Strand der Lissaboner schrumpft: Das Meer nagt an der Costa da Caparica

Samstag, 29. März 2008

Die Schotten und der Weinanbau in Portugal

Ein Blick zurück in die Historie des Weinbaus in Portugal - amüsant und mit spitzer Feder erzählt von Ralf in seinem Blogbeitrag

Sehr lesenswert!

Dienstag, 25. März 2008

Neues Leben für die Baixa: 4 Großprojekte geplant

Nach dem Erdbeben von 1755 war Lissabons Unterstadt, die Baixa, das Symbol für Wiederaufbau und Wiederaufstieg der Kapitale. Über Jahrhunderte hinweg das unangefochtene Geschäfts- und Machtzentrum der Stadt, befindet sich die Baixa seit einiger Zeit aber in einem Selbstfindungsprozess. Büros und Läden sind an die Peripherie der Stadt gezogen - geblieben sind die Touristen. Geht es nach dem Willen des Bürgermeisters, sollen sie bald zwei neue Museen in der Baixa vorfinden - und über sechs Aufzüge bis hinauf zur Burg schweben können.

Was tun mit der Baixa? Das einst so strahlende Geschäftszentrum Lissabons hat in den vergangenen Jahrzehnten arg an Glanz eingebüßt. Und während Touristen noch immer durch die - von immer mehr internationalen Handelsketten besetzten - Straßen der Unterstadt schlendern, haben andere längst das Weite gesucht: Büros und Banken sind in glitzernde Türme am Stadtrand gezogen, und auch die Zahl der hier lebenden Menschen ging drastisch zurück.

Der Zahn der Zeit hat der Baixa doch recht stark zugesetzt. Rund 65 Prozent aller Gebäude in der Unterstadt sind renovierungsbedürftig, schätzt Lissabons Stadtplaner Manuel Salgado - dies entspreche einer bebauten Fläche von 14,4 Millionen Quadratmetern.

Mit einem groß angelegten Aktionsplan will die Stadt Lissabon nun ihrem Zentrum neues Leben einhauchen. Vorrangiges Ziel ist es, die Menschen wieder dazu begeistern, in der Innenstadt zu wohnen. Und auch den Touristen soll mehr geboten werden als die eintönige Aneinanderreihung der Filialen von H&M, Zara & Co.

Bis zum Jahr 2020 will Bürgermeister Antonio Costa mehr als 700 Millionen Euro in die Wiederherrichtung der Baixa pumpen - ein gigantisches Wiederaufprogramm, das schon fast an den Kraftakt des Wiederaufbaus Lissabons nach dem Erdbeben von 1755 erinnert. Mehr als zwei Drittel dieser Summe soll durch private Investoren bestritten werden - ein reduzierter Mehrwertsteuersatz auf dem Gebiet der Baixa könnte hier als Lockmittel wirken.

Das meiste Geld dürfte in die Sanierung der Bausubstanz fließen. Und außerdem hat der Stadtrat in seiner letzten Sitzung beschlossen, vier besonders dringliche Großprojekte vorzuziehen. Dabei handelt es sich um den Bau eines Aufzugs zur Burg, die Einrichtung von zwei neuen Museen in der Baixa und dem Anlegen eines neuen Parks am Carmo-Kloster.

Gerade der Bau eines Aufzugs von der Unterstadt bis zur Burg ist seit Jahren hochumstritten. Noch im Jahr 2001 sorgte der damalige Bürgermeister João Soares für Aufregung, als er Pläne für einen gigantomanischen Lift zum Castelo vorstellte, der die sanfte Silhouette Lissabons hart durchkreuzt hätte.

Nun ist das Thema Castelo-Aufzug zurück: Die neuen Pläne seien jedoch, so beteuert Manuel Salgado, weitaus bescheidener. Nach Medienberichten plant die Stadt nun eine Folge von sechs Aufzügen und Rolltreppen, um den Aufstieg zur Burg künftig zu erleichtern. Einstiegspunkt wird die Rua dos Fanqueiros sein - von dort geht es über die Rua da Madalena und dem Mercado Chão de Loureiro hinauf bis zur Costa do Castelo.

Ein schöner Plan - wäre da nicht das Unbehagen, das einen bei der Vorstellung von öffentlichen Aufzügen in Großstädten beschleicht. Vandalismus ist auch in Lissabon ein gut bekanntes Problem: Schnell könnten sich die Elevadores zur Burg in eine verschmutzte, selten funktionierende Investitionsruine verwandeln. Wäre hier nicht vielleicht die Einrichtung einer neuen Standseilbahn vorteilhafter gewesen? Die Frage des Aufzugs wird die Lissaboner Stadtpolitik wahrscheinlich auch über die nächsten Jahre hinweg begleiten.

Unstrittiger sind die weiteren Projekte. So soll der ehemalige Sitz der Banco Nacional Ultramarino nahe dem Praça do Comércio die neue Heimat für das aus dem Centro Cultural de Belém verbannte Design-Museum werden.

Und in die einstige Kirche São Julião nahe der Rua de Ouro zieht das Museum der Nationalbank ein. Ein Ausstellungshaus für den Mammon in einer Kirche? Ein seltsamer Gedanke - doch schlimmer, als mit der in den 30er Jahren entweihten Kirche São Julião heute umgegangen wird, kann es eigentlich nicht mehr kommen. Spötter nennen die Kirche schon lange Nossa Senhora dos Mercedes: Denn der ehemalige Kirchenraum wird von der Nationalbank als Garage genutzt, wie auch dieser Filmbeitrag von SIC Notícias zeigt. Die Banco de Portugal hat sich nun ein Herz gefasst und will São Julião nun zum repräsentativen Haupteingang ihres Stammhauses umgestalten und dort auch ihr Museum unterbringen.

Und schließlich, Projekt Nummer Vier, sollen nahe den Ruinen des Carmo-Klosters noch einige alte und illegal errichtete Polizei-Barracken abgerissen werden, an deren Stelle ein Park treten soll - sicher ein unstrittiger Vorschlag.

Jedes dieser Vorhaben ist sicher ein Gewinn für die Baixa. Doch der Erfolg des gesamten Plans dürfte letztendlich weniger von diesen kostspieligen “Leuchttürmen” abhängen als vom Umsetzen eines durchdachten Gesamtkonzepts. Darauf weist seit Jahren die Bürgerinitiative Cidadania LX hin - und fordert dafür auch ein entschlosseneres Handeln zur Verkehrsberuhigung der Baixa.

Immerhin - die Stadtverwaltung scheint begriffen zu haben, dass die Lage ernst ist. Das zeigt schon die geografische Eingrenzung des Aktionsplanes: Er umfasst exakt das Gebiet, das 1755 durch das Erdbeben zerstört wurde. Wir werden sehen, ob Bürgermeister Antonio Costa sich als neuer Marquês de Pombal erweist, der vor 250 Jahren für den ersten Wiederaufbau der Baixa sorgte.
Autor: Gilberto
Foto ist lizensiert unter (C) creative commons
/ James Glover auf Flickr

Donnerstag, 20. März 2008

Ai, Mouraria ! - Ein Traditions-Stadtviertel kämpft gegen den Niedergang

Ein Reichen-Viertel war die Mouraria noch nie. Und doch ist der Zustand des Lissaboner Traditions-Stadtteils besorgniserregend: Immer mehr Bauten verfallen, immer mehr Menschen - vor allem junge - verlassen das Viertel. Basta, das reicht: So sagen es sich nun viele Bewohner der Mouraria - und fordern mit einer agilen Bürgerinitiative die Renovierung des so charakteristischen Stadtteils von Lissabon ein.

Wer hätte das gedacht? Es steckt noch Leben in der Mouraria! Wer am vergangenen Samstag durch die Gassen des historischen Stadtteils ging, durfte Zeuge einer farbenfrohen und lauten Parade der Mouraria-Bewohner werden. Auf den Straßen herrschte munteres Treiben, in den Restaurants gab es Fado: Endlich konnte die Mouraria wieder einmal sich und ihre Kultur feiern.

Freude, Leben, Bewegung: Das ist es, was der Mouraria in letzter Zeit gefehlt hat. Fast schon schicksalhaft schien sich das Viertel seinem lethargischen Untergang hingegeben zu haben. Immer mehr Häuser verfielen, und spätestens seit dem bedrohlichen Anwachsen der Drogenszene an vielen Ecken des Viertels schien klar zu sein: Die Mouraria hat keine Zukunft mehr.

Die Gratwanderung zwischen Überleben und Niedergang, das war schon immer das Schicksal der Mouraria. Dieses Viertel im Schatten der Burg, das schöne und bis heute viel zu wenig beachtete Aschenputtel Lissabons, war bereits zu seiner Entstehung die Heimat der Armen und Verlierer. Gegründet wurde die Mouraria ... >>>> weiterlesen
Autor: Gilberto

Dienstag, 18. März 2008

Klimastatistik Portugal

Wo in Portugal leben, bauen, Urlaub machen ? Die Klimastatistik zeigt die Unterschiede im Staatsgebiet (Lufttemperatur,Regen, Kälte, Sonnentage)
Zu diesem Thema ein interessante Zusammenstellung von Ralf in seinem Blog "Briefe an Konrad" >>> lesen

Dienstag, 11. März 2008

SOS Azulejo: Ein portugiesisches Kulturgut gerät ins Visier internationaler Kunsträuber

Was wäre Portugal ohne seine Azulejos? Die meist großformatigen Wandmosaike aus blauen Kacheln schmücken bis heute viele Häuser und Kirchen im Land. In den letzten Jahren häufen sich jedoch die Fälle dreister Azulejo-Diebstähle im Land. Ein neues Projekt mit Namen “SOS Azulejo” will nun Käufer und Besitzer historischer Azulejos sensibilisieren.

Nicht nur Politik und Wirtschaft haben sich globalisiert - auch die Kriminalität agiert längst über Grenzen. Und neben Drogen- und Menschenhandel hat sich auch das Verschieben geraubter Kunst zum lukrativen Geschäft entwickelt. Und in diesem düsteren Business sind die blau strahlenden historischen Azulejos aus Portugal ein überaus lohnendes Objekt: Sie sind wertvoll - und leicht zu transportieren .”Was gibt es Besseres, um Geldwäsche zu betreiben?” fragt dann auch Leonor Sá vom Museum der portugiesischen Polícia Judiciária in der Wochenzeitung “Sol“.

Und so hat die Zahl der Fälle von geraubten Azulejos in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. Allein im Jahr 2006 zählte die Polizei nur im Großraum Lissabon über 30 Fälle von Azulejo-Diebstahl - mit einer wesentlich höheren Dunkelziffer. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.

Azulejos in Lissabon
Ausschnitt eines Azulejo in Lissabon. Foto: zoe52 auf Flickr

Die Diebe schlagen vor allem in leer stehenden Landhäusern und Quintas vor den Toren Lissabons zu. Diese Häuser sind oftmals unzureichend geschützt - und die Azulejo-Klauer haben alle Zeit der Welt, die Kacheln von den Wänden abzulösen. Auch zahlreiche Häuser in Lissabons Innenstadt wurden schon ihrer Azulejos entledigt: Selbst auf der Burg von Lissabon, dem Castelo de São Jorge, verschwand vor ein paar Jahren ein großes Wandmosaik, das unsere liebe Frau von Karmel mit dem Jesuskind darstellte (siehe Auflistung unten).

Leonor Sá bestätigt, dass die Räuber normalerweise “sehr genau” wüssten, auf welche Azulejos sie es abgesehen hätten - offensichtlich erfolgen einige Diebstähle aufgrund gezielter Bestellungen wohlhabender Kunstsammler. Und oftmals verrichten die Täter ihr Werk ganz offen, wie der Lissaboner Architekt Fernando Jorge bei einem Spaziergang durch die Stadt feststellen musste. Er erwischte einen Azulejo-Dieb in flagranti, wie er sich am heruntergekommenen ehemaligen Wohnhaus von Fernando Pessoa in der Avenida Casal Ribeiro 1 zu schaffen machte. Auch die eilig herbeigerufene Polizei konnte in diesem Fall nichts mehr ausrichten.

Ein Azulejodiebstahl an der Avenida Casal Ribeiro 1
Illegale Ablösung von Azulejos - Foto: Fernando Jorge, Lissabon

Die Polícia Judiciária will dem Treiben der Azulejo-Diebe nun mit einer Informationskampagne unter dem Titel “SOS Azulejo” entgegen treten. Das Projekt, gestartet im März vergangenen Jahres unter Leitung von Leonor Sá, beginnt langsam, Fahrt aufzunehmen. Wichtigster Meilenstein wird am 28. Februar 2008 die Freischaltung einer Website unter der Adresse www.sosazulejo.com sein.

Logo SOS AzulejoDie Website wird Informationen für Azulejo-Käufer wie auch für Besitzer von Häusern mit alten Azulejos enthalten - sowie über eine Bilddatenbank geraubter Azulejos verfügen. Information hilft schon weiter - denn bereits mit einfachen Handlungsanweisungen könnte man dem Problem des Azulejo-Diebstahls entgegenschreiten, erklärt Leonor Sá.

So sollten Käufer historischer Azulejos auf einen genauen Herkunftsnachweis achten. Und für Besitzer von Azulejos gilt, dass sie ihre kunsthistorischen Schätze besser schützen und zumindest auch - zum Beispiel mit Fotos - dokumentieren müssten.

Vorbild der Kampagne “SOS Azulejo” ist die vor drei Jahren gestartete Aktion “Igreja Segura“, die ebenfalls auf Prävention durch Information setzte. In der Zwischenzeit konnte dank dieser Aktion die Zahl an Kunstdiebstählen aus Kirchen verringert werden. Man kann nur hoffen, dass der Erfolg der Azulejo-Kampagne ähnlich ausfallen wird - und wir die Mosaike auch weiterhin dort bestaunen dürfen, wo sie hingehören: An der Wand.

Azulejo-Diebstahl: Schwere Fälle in den letzten Jahren*

  • Nossa Senhora das Prazeres, Amadora: Innerhalb von drei Tagen wurden im April 2006 tausende Azulejos aus einem Landhaus bei Buraca entwendet.
  • Palácio de Marques de Pômbal, Oeiras: Im Dezember 2006 wurde in diesem vom ungarischen Architekten Carlos Mardel erbauten Palast aus dem 18. Jahrhundert der Diebstahl eines Wandmosaiks von 1770, bestehend aus 72 Kacheln, festgestellt.
  • Largo da Trindade, Lissabon: Innerhalb einer Woche im Mai 2002 wurden im Haus mit der Nummer 16 am Largo da Trindade (Chiado) rund 225 Azulejo-Kacheln aus dem Jahr 1730 entwendet.
  • Palácio Belmonte, Lissabon: In diesem Palast direkt an der Lissaboner Burg, Drehort von Wim Wenders’ Film “Lisbon Story”, verschwanden im Januar 2001 17 Wandmosaike mit Azulejos aus dem 18. Jahrhundert
  • Castelo de São Jorge, Lissabon: Auch in der Burg von Lissabon selbst kam es im Mai 2000 zu einem Diebstahl eines Azulejo-Wandbildes aus dem 18. Jahrhundert
  • Igreja de Santa Luzia, Lissabon: Im Sommer 1996 entwendeten Diebe ein großes Azulejos-Wandbild, das den Terreiro do Paço vor dem großen Erdbeben von 1755 zeigte. Auch der der Kirche vorgelagerte Miradouro verfügt über schöne Azulejos, die sich aufgrund von Bauarbeiten in einem erbarmungswürdigen Zustand befinden.
  • Convento dos Capuchos, Sintra: Einer der ersten registrierten Fälle von Azulejo-Diebstahl. Im Jahr 1984 verschwanden aus einer Kapelle des Kapuzinerkonvents ein wertvolles Wandbild von der Geißelung Christi. Auch mehr als 20 Jahre später fehlt von den Azulejos jede Spur.
Autor: Gilberto

Sonntag, 9. März 2008

Ein sicherer Hafen für Portugals letztes Segelschiff der Indien-Route

Ein Ausflug von Lissabon auf die andere Tejoseite lohnt sich mehr denn je. Direkt am Fähranleger von Cacilhas lädt jetzt eines der berühmtesten Segelschiffe der portugiesischen Marine zur Besichtigung ein: Die Dom Fernando II e Glória. Ein Schiff mit bewegter Geschichte - und das letzte seiner Art, das die legendäre Indien-Route nach Goa bediente.

Noch bis in die achtziger Jahre hinein ragte das Wrack eines verbrannten, ausgekohlten Segelschiffes aus der Tejomündung bei Lissabon heraus. Ein Symbol für die Vergänglichkeit der Dinge - und den Niedergang der Segelschiffe, deren Zeit längst abgelaufen war. Bei dem Schiffswrack handelte es sich um keines anderes als die Fregatte Dom Fernando II e Glória: Das letzte Segelschiff, das für die portugiesische Marine regulär Lissabon mit Goa verband - und so immer wieder Vasco da Gamas Seeweg nach Indien nachsegelte.

Dass ausgerechnet das letzte Segelschiff hier verbrannt im Tejo lag - es schien fast auch ein Denkmal für das untergegangene Kolonialreich Portugal zu sein. Doch seit einem guten Jahrzehnt ist aus dem unansehnlichen Wrack wieder ein schmuckes Segelschiff geworden: Nach einer aufwändigen Restaurierung, in der nur wenige Originalteile verwendet werden konnten, haben fleißige Schiffsbauer aus Aveiro das alte Segelschiff wieder hergerichtet - so, wie es Mitte des 19. Jahrhunderts auf den Weltmeeren fuhr.

Die Geschichte der D. Fernando II e Glória ist also auch eine Erzählung von Aufbruch, Unglück und Wiederkehr. Begonnen hat diese Geschichte Mitte des 19. Jahrhunderts. Über drei Jahrhunderte lang haben Segelschiffe die strategisch wichtige Route zwischen Asien und Europa bedient, damals wie heute eine der Hauptschlagadern des weltweiten Warenverkehrs. Doch die Zeit der alten Segler neigte sich unwiderruflich dem Ende zu: Die Dampfschiffe übernahmen langsam aber sicher die Hoheit auf den Meeren.

So war die D. Fernando II e Glória ein echter Nachzügler, in dem sich noch einmal die ganze ausgereifte Ingenieurskunst des Segelschiffbaus widerspiegelte: Mit hervorragenden technischen Eigenschaften, zuverlässig gebaut und auch leistungsstark. Das 83 Meter lange Schiff konnte 650 Menschen aufnehmen. Die Fahrt von Lissabon nach Goa wurde ohne Zwischenstopp in drei Monaten bewältigt.

Ihren Namen erhielt die Fregatte zu Ehren des Königs Dom Fernando II., der dem Hause Sachsen-Coburg entstammte sowie zu seiner Ehefrau Maria da Glória. Ein schöner Nebeneffekt: Auch die Schutzheilige von Goa, nossa senhora da Glória (unsere liebe Frau der Herrlichkeit), trug den Beinamen des Schiffes.

Die Herrlichkeit und Größe der portugiesischen Marine verbreitete das Schiff rund 33 Jahre lang - dann war die Zeit der großen Segelschiffe endgültig abgelaufen. Noch bis 1938 fuhr die D. Fernando II e Glória dann als Schulschiff der Marine. Ein Jahrhundert nach ihrem Stapellauf ging das letzte Segelschiff der Indien-Route dann in andere Hände über.

Von der Marine aufgegeben, wurde das Schiff seit 1940 von einem Verein zur Unterstützung und Ausbildung von Jugendlichen armer Herkunft genutzt: Hier, auf dem letzten Indien-Liner, konnten die jungen Leute Handwerk und Marine kennenlernen. Das Schiff, das im Laufe seines aktiven Dienstes die Erde etwa fünf Mal umrundet hat, schipperte als schwimmende Ausbildungsstätte schließlich nur noch auf dem Tejo herum. 23 Jahre später dann das endgültige Aus: Ein verheerender Brand zerstörte das Schiff nahezu vollständig und hinterließ nur das traurige Wrack in der Mitte des Tejo.

Als schon fast alles verloren schien, kam Anfang der 90er Jahre die Wende. Über mehrere Jahre hinweg wurde die D. Fernando II e Glória aufwändig restauriert, bis das rundumerneuerte Schiff stolz zur Weltausstellung Expo98 in Lissabon präsentiert werden konnte. Da war er wieder, der letzte Segler nach Indien: Mit stolz wehender portugiesischer Flagge, fast ungeduldig auf neue Entdeckungen in den Weltmeeren wartend.

So weit kam es dann nicht mehr: Die D. Fernando II e Glória verfügt über keinen Hilfsmotor und wird deshalb nicht mehr auf die Ozeane ziehen. Lissabon ist dieses Schiff jedoch erhalten geblieben. Lange Jahre im Dock von Alcântara - und nun hat das Schiff die Seite gewechselt: Für weitere Renovierungsarbeiten zieht die Fregatte für die kommenden fünf Jahre auf die gegenüberliegende Tejoseite nach Cacilhas in das Trockendock der ehemaligen Werft Parry & Son. Die Stadt Almada beteiligt sich an den Restaurierungskosten von bis zu 250.000 Euro - und verfügt so über eine neue Attraktion direkt am Fähranleger nach Lissabon.

Ein Besuch lohnt sich sehr - nicht von ungefähr zeichnete der World Ship Trust die Restaurierung der D. Fernando II e Glória als eine der “größten Leistungen in der Schiffsrestaurierung” überhaupt aus. Manchmal lohnt es sich vielleicht doch, Letzter seiner Art zu sein.

Die D. Fernando II e Glória ist täglich (außer montags und an gesetzlichen Feiertagen) von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt 3 Euro (1,50 Euro für Kinder bis 17 Jahren). Von Lissabon fahren z.B. ab Cais do Sodré regelmäßig Fähren nach Cacilhas; das Doca 2 mit der D. Fernando II e Glória liegt in unmittelbarer Nähe des Fähranlegers. Audio-Guides, auch in deutscher Sprache, sind an Bord verfügbar.

Autor: Gilberto | 09. März 2008 - Foto ist lizensiert unter (C) creative commons / Portuguese eyes auf Flickr

Donnerstag, 6. März 2008

Portugal - deutsche Touristenzahlen im Aufwind

Deutsche Touristen haben im Jahr 2007 ca. 886 Millionen Euro in Portugal ausgegeben. Sie stehen damit auf dem 4. Platz der für Portugal so wichtigen Einnahmen aus dem Tourismus. In den letzten 2 Jahren sind 17,7 % mehr Deutsche nach Portugal gereist.
Diese Zahlen wurden von dem port. Staatssekretär anlässlich seines Besuchs auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin bekanntgegeben.
Er kündigte weiter an, dass TUIfly noch in diesem Monat zwei neue Linien: Köln - Faro und Köln - Funchal/Madeira, einrichten will.
Die Algarve, gefolgt von Madeira, ist das bevorzugte Ziel der Deutschen.
Quelle: http://www.barlavento.pt/index.php/noticia?id=22491