Montag, 19. Mai 2008

Expo98, zehn Jahre danach: Ein “Ghetto” auf der Suche nach Anschluss

Autor: Gilberto | 18. Mai 2008

Vor zehn Jahren eröffnete in Lissabon die Weltausstellung Expo98. Es war ein Ereignis der Superlative: Während der 132 Expo-Tage strömten über zehn Millionen Menschen zu der mit Milliardenaufwand hochgezogenen Weltausstellung im Nordosten Lissabons. Und heute? Noch immer zehrt das Expo-Gelände vom alten Glanz - und sucht dennoch seine Rolle in der Stadt.

Acht Kilometer trennen das alte und das neue Lissabon. Das alte Lissabon, das ist Belém: Der historische Stadtteil mit prunkvollen manuelinischen Klosteranlagen, von dem aus die Seefahrer in unentdeckte Welten aufbrachen und Portugal zu einer - längst untergegangenen - Größe führten.

Hier, vor dieser historischen Kulisse, versuchte Diktator António Salazar im Jahr 1940, eine Huldigung an das Portugiesentum zu veranstalten: Mit der Ausstellung “Exposição do Mundo Português”, die “Ausstellung der portugiesischen Welt”. Doch so wenig, wie vom portugiesischen Imperium übrig blieb, so kümmerlich sind auch die Reste dieser recht eingeschränkten “Weltausstellung”: Von den alten Ausstellungshallen ist kaum etwas übrig geblieben - und selbst diese Bauten, wie etwa das Museu de Arte Popular, sind stets latent vom Abriss bedroht.

Wie anders sieht das hypermoderne Lissabon aus, das sich acht Kilometer weiter flussaufwärts befindet: Wo über Jahrzehnte ein brachliegendes und ökologisch verwüstetes Industriegelände vor sich hingammelte, öffneten sich am 22. Mai 1998 die Tore zur Expo98. Ein Gelände, in dem alles neu war: Großzügig, weltoffen, glitzernd. Eine tatsächliche Weltausstellung, mit der Portugal sich selbst und der Welt versichern konnte, in der Globalisierung angekommen zu sein.

Zwei Weltausstellungen, zwei Ideen: Links der Führer der “portugiesischen Ausstellung” in Belém aus dem Jahr 1940 (Quelle: Wikipedia), rechts Gil, das muntere Maskottchen der Expo98 (Quelle: Wikipedia).

Genau zehn Jahre ist es nun also her, dass die “Expo98 als Zündschnur für das Selbstbewusstsein der Portugiesen” diente, wie die Journalistin Mario Lopes kürzlich in der Wochenzeitung “Sexta” schrieb. Kaum jemand hätte damals für möglich gehalten, dass Portugal ein solches Mega-Ereignis schultern könnte: Innerhalb weniger Jahre wurden auf dem 70 Hektar großen Expo-Areal architektonisch anspruchsvolle Gebäude und Pavillions hochgezogen. Ein ganz neues Stadtviertel entstand, das heute den Namen “Parque das Nações” trägt.

Mehr als zehn Millionen Menschen zahlten Eintrittspreise von umgerechnet 25 Euro, um an den 132 Expo98-Tagen mit dabei zu sein. Und die Expo98 wirkt noch weiter: Viele Attraktionen der damaligen Weltausstellung dienen bis heute als Publikumsmagnet. Allen voran das Ozeanarium von Lissabon, das zweitgrößte Meerwasseraquarium der Welt.

Aber auch in anderen Ecken der alten Expo blüht das Leben: Restaurants und Clubs ziehen die Nachtschwärmer an, das Casino von Lissabon hat hier Quartier bezogen, ebenso wie das Camões-Theater und die Ballett-Kompagnie der Stadt. Und nicht nur das: In den umliegenden Wohnblocks leben mittlerweile mehr als 20.000 Menschen. Innerhalb von zehn Jahren hat sich dort, wo einst kein Leben mehr möglich schien, tatsächlich ein ganz neues Stadtviertel etabliert.

Und doch: So vielversprechend die Zündschnur der Expo98 auch funkelte - das große und erhoffte Feuerwerk ist bislang ausgeblieben. Noch immer liegt im Dunkeln, ob sich die geschätzten Kosten von 1,8 Milliarden Euro wieder eingespielt haben. Und auch städtebaulich hat der Parque das Nações bislang seinen Platz in Lissabon nicht so recht gefunden: Er ist weiterhin eine Stadt in der Stadt - ein “Ghetto”, wie kürzlich selbst der für die Expo-Bauten verantwortliche Chef-Planer Manuel Salgado im “Expresso” einräumte. Ist diese Insel aus Shopping, Entertainment und teuren Wohnanlagen wirklich der Entwicklungspol, der Lissabon den Weg in die Zukunft weisen sollte? Oder ist der Parque das Nações einfach ein Stadtviertel unter vielen?
Eine neue Welt im Nordosten Lissabons: Der Parque das Nações, das ehemalige Expo-Gelände.
Foto: (C) Creative Commons-Lizenz / Ivo Gomes auf Flickr
Nüchtern betrachtet ist der Parque das Nações heute ein Gelände, das von einem Privatunternehmen gemanagt wird und das für Sauberkeit und Serviceleistungen sorgt. Eine Gegend, in der die Wohnungspreise überdurchschnittlich hoch liegen - und das als “chic” gilt. Ein Areal, das sich vielleicht auch aus diesem Grund fast mutwillig von den umgrenzenden Stadtvierteln abgrenzt.

Und das hat auch seinen Grund: Denn rings um das Expo-Gelände liegen Gegenden von Lissabon, die nicht so recht ins Bild des wohlhabenden und modernen Portugal passen wollen: In angrenzenden Siedlungen wie Chelas oder Marvila leben mehr als zwei Drittel der Einwohner in den grauen, gesichtslosen Hochhausblocks des sozialen Wohnungsbaus. Die Kriminalitätsrate, vor allem getrieben durch Jugendbanden, ist hoch, die Perspektiven für die Einwohner sind niedrig.

Zwei Welten, zwei Lissabons: Auch die Stadtverwaltung von Lissabon hat längst erkannt, dass der Parque das Nações besser an den Rest der Stadt angekoppelt werden muss. Vor allem die Uferlinie des Tejo soll hier wiederum einmal als “Zündschnur” dienen: Entlang des fünf Kilometer langen Saums von Expo bis Innenstadt, heute vielfach ungenutztes Industrie- und Hafengelände, möchte die Stadtverwaltung viele neue Bauten entwickeln und so eine Brücke zwischen altem und neuem Lissabon schaffen.

Plano de Urbanização da Zona Oriental de Lisboa, kurz PUZRO, heißt der Plan, mit dem sich Lissabon den Nordosten der Stadt neu erschließen will. Ein Plan, der schon lange mit den Fallstricken von Bürokratie und wirtschaftlichen Interessen kämpft: Denn neben vielen noch offenen Finanzierungsfragen sorgen auch ungeklärte Zuständigkeiten - etwa von Seiten der notorisch unberechenbaren und machtbewussten Hafenverwaltung Lissabons - immer wieder für Streit.

Immerhin, zwei Punkte des PUZRO gelten mittlerweile als sicher: Südlich angrenzend zum Expo-Gelände wird wohl eine weitere Anlage mit Luxus-Appartments hochgezogen. Die sich aus dem Kauf ergebenen Kompensationsflächen rund um die ehemaligen Gasbehälter von Marvila wird dann eine neue, 11.000 Quadratmeter große Kathedrale von Lissabon einnehmen.

Luxus und Glaube, Armut und Shopping: Ob sich das alles so vertragen wird? Skepsis ist angebracht. Viel interessanter sind ohnehin die Entwicklungen, die sich ganz ohne öffentliche Intervention rund um den Parque das Nações ergeben haben. Zum Beispiel die “Fábrica Braço de Prata“: Dieses Kulturzentrum entstand vor einigen Jahren in den Räumen einer alten Munitionsfabrik - und war eher der Initiative von zwei Buchhandlungen zu verdanken als dem Einsatz von Politikern. Heute gilt die Fábrica als einer der interessantesten und lebendigsten Orte der Kultur in der Hauptstadt.

Schön anzusehen, aber ohne Funktion: Pavilhão de Portugal.
Foto: (C) Creative Commons-Lizenz / Athila Armstrong auf Flickr
Während im unkonventionell entstandenen Braço de Prata die Improvisation regiert und das Leben pulsiert, kämpft das offizielle Expo-Gelände an vielen Stellen mit Leerstand. Völlig unklar ist beispielsweise das Schicksal des architektonisch interessanten, von Álvaro Siza Vieira errichteten “Pavilhão de Portugal“. Das Gebäude mit seiner faszinierend geschwungenen Betondecke steht seit Jahren leer - eine sinnvolle Nutzung ist nicht in Sicht. Auch für ein weiteres Wahrzeichen der ehemaligen Expo98, dem Torre Vasco da Gama, wird weiterhin nach Verwendungsmöglichkeiten gesucht: Bisherige Ideen, hier ein Hotel unterzubringen, haben sich immer wieder zerschlagen.

Doch Chefplaner Manuel Salgado sieht diese Probleme eher gelassen: Die Expo-Gebäude seien schließlich für eine Lebenszeit von 100, 200 oder 300 Jahren projektiert worden. Sie könnten also sofort wieder in Betrieb genommen werden. Und in der Tat: Dass sich ganze Stadtteile neu erfinden können, dafür ist der Parque das Nações lebender Beweis.

Und so überwiegen in der einhelligen Meinung von Medien und Fachleuten eher die positiven Wirkungen der Expo98. Und das erste Jahrzehnt des neuen Lebens im Lissaboner Nordosten soll dieses Jahr auch einmal gebührend gefeiert werden: Mit dem im August stattfindenden Festival dos Oceanos (Festival der Ozeane), das nochmals an das alte Motto der Expo98 erinnert, die sich damals schwerpunktmäßig dem Schutz der Weltmeere widmete.

Konferenzen, Konzerte, Ausstellungen und weitere Straßenveranstaltungen sollen sich wie zu den bereits nostalgisch verklärten Expo-Zeiten dem Thema “Meere” annähern. Viele der Aktionen werden dabei im Parque das Nações stattfinden - aber längst nicht alle: Zu den Veranstaltungsorten gehört auch Belém, wo unter anderem die Museen eine Woche lang bis Mitternacht geöffnet haben werden.

Ein Info-Bus mit Animationen und Unterhaltung wird dann auch Tag für Tag am Tejoufer von Belém bis zum Parque das Nações entlang pendeln - und so schon einmal eine erste Verbindung zwischen dem alten und dem neuen Lissabon schaffen. Weitere müssen folgen.

Dienstag, 6. Mai 2008

Lissabon - Aeroshuttle (neu) und Aerobus

Bisher gab es nur den Aerobus (Linie 91), der den Flughafen (über Entrecampos, Campo Pequeno, Marqués Pombal, Av.d.Republica, Rossio) mit dem Bahnhof Cais Sodré von 07:00 - 23:00 im 20 Minutentakt in beide Richtungen verband.
Jetzt hat Carris daneben den Aeroshuttle (Linie 96) eingerichtet, der den Flughafen einerseits mit dem naheliegenden Bahnhof Oriente (Expo-Gelände) und andererseits auch mit dem Bahnhof und Busstation Sete Rios verbindet. Der Aeroshuttle fährt täglich von 08:00 - 22:00 im 30 Minutentakt vom Bahnof Oriente über den Flughafen, den Bahnhof Sete Rios, die kath. Uni bis zum Praça Marqués Pombal.
Die Preise sind gleich - jeweils 3 Euro für eine einfache Fahrt, wobei die Karte am gleichen Tag zusätzlich fuer beliebige Carris-Linien (Bus oder Strassenbahn, auch die Linie 28 und die elevadores gilt).

Freitag, 2. Mai 2008

Lissabon blickt nach Osten: Das neue Museu do Oriente bringt Asien nach Portugal

Autor: Gilberto

Im Hafen von Lissabon, am westlichen Rand der Stadt, weist ein neues Museum den Blick in Richtung Osten: Nach zwei Jahrzehnten Vorbereitungszeit eröffnet am 9. Mai das “Museu do Oriente“. Dort, wo einst Stockfisch gelagert wurde, warten künftig fast 15.000 Ausstellungsstücke aus verschiedenen Ländern Asiens, von der Türkei bis nach Japan, auf ihre Entdeckung.

Lange mussten die Lissaboner auf dieses Museum warten. Doch nun erhält Portugal mit dem “Museu do Oriente” endlich einen Ort, an dem die luso-asiatischen Beziehungen in ihrer ganzen Bandbreite gewürdigt werden. Ein Museum, dem es um den Dialog zwischen Ost und West geht. Und gerade in unseren Tagen, in denen die westlichen Länder der Welt mit einer Mischung aus Faszination und Unbehagen auf die boomenden Wirtschaften im Fernen Osten schauen, kommt das Gesprächsangebot des Museu do Oriente wie gerufen.

Faszination und Neugierde auf der einen Seite, Unbehagen und Misstrauen auf der anderen: Das waren auch stets die Pole, zwischen denen die Beziehungen zwischen Portugal und seinen asiatischen Handelspartnern oszillierten. Zwar traten die portugiesischen Seefahrer in Asien - anders als in Afrika und Südamerika - nicht als Eroberer ganzer Territorien auf, sondern beschränkten sich auf die Gründung einzelner Handelsstützpunkte etwa in Goa, Malakka oder Macau. Und doch trauten die Asiaten diesem Frieden nie so recht und befürchteten immer wieder die Überformung ihrer Kultur durch die neuen, fremden Nachbarn.

Und so ist eines der ersten Ausstellungsstücke, dem die Gäste des “Museu do Oriente” während ihres Besuches begegnen werden, fast programmatisch zu verstehen: Es ist eine der ersten Ausgaben von Luis de Camões Meisterwerk “Os Lusíadas“. Die Lusiaden bestehen aus verschiedenen Gesängen, die vorwiegend von den Heldentaten der glorreichen portugiesischen Seefahrer in Asien berichten - von der Größe der Kultur und Religion, die sie nach Asien brachten, aber auch von den Nöten des Seefahrertums. Camões war ein großer Patriot, der mit diesem Werk die portugiesische Kultur glorifizierte. Andererseits tat sich der Schriftsteller während seiner - zum Teil zwangsweise verlängerten Aufenthalte in Goa und Macau - auch als interessierter Beobachter und Dokumentar der fremden Kulturen hervor.

Beiden Perspektiven, die portugiesische und die asiatische, will das Museu do Oriente seine Aufmerksamkeit schenken. Und wagt vor allem im zweiten Teil der Dauerausstellung dann doch den Blickwechsel und widmet sich in der Sammlung “Kwok On” ausschließlich der asiatischen Kultur.

Die Sammlung “Kwok On” ist ohne Zweifel das größte Pfund, mit dem das neue Museum wuchern kann: Sie umfasst rund 13.000 Stücke aus allen Ländern von der Türkei bis Japan: Masken, Kunstwerke aus Elfenbein und Jade, Möbelstücke, Trachten, religiöse Gegenstände - es ist eine riesige Schatzkammer der asiatischen Kultur, die der französische Sinologe Jacques Pimpaneau hier zusammengetragen und der Fundação Oriente als Betreiberin des Museums übergeben hat. Öffentlich zugänglich sind 650 Stücke aus Pimpaneaus Sammlung, der Rest schlummert in den Magazinen.

Ein weiterer Pfeiler des neuen Orient-Museums ist die hauseigene Sammlung mit rund 1.400 Ausstellungsstücken, die den portugiesischen Einfluss in Asien dokumentieren. Über Jahre hinweg ist die Fundação Oriente weltweit bei Antiquaren und auf Auktionen auf Einkaufstour gegangen, um ihre Sammlung zu bestücken. Einzelteile aus anderen Museen und Sammlungen kommen ergänzend hinzu.

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Bald eröffnet: Das Museu do Oriente in Lissabon. Foto: Fundação Oriente

Das Museu do Oriente wartet von Beginn an mit einer außergewöhnlichen Fülle an Ausstellungsstücken auf. Und da wundert es nicht, dass es bis zur Eröffnung eine lange Zeit brauchte: Exakt 20 Jahre dauerte es von der Idee bis zur Umsetzung.

Das Museum ist ein Projekt der Fundação Oriente, die im Jahr 1988 in Lissabon gegründet wurde - eine Stiftung, die lange Zeit finanziell bestens durch sprudelnde Einnahmen aus den Spielcasinos von Macau versorgt war. Diese Gelder werden zwar nun schon länger nicht mehr nach Lissabon überwiesen, aber für den Aufbau eines gut bestückten Kapitalstocks der Stiftung hat es wohl gereicht - denn die Fundação Oriente bezahlt sowohl die fast 30 Millionen Euro für den Bau des Museums und übernimmt auch den jährlichen Etat des Hauses von knapp vier Millionen Euro.

Schon im Jahr 1988, als die Fundação Oriente als kultureller Brückenbauer zwischen Orient und Okzident gegründet wurde, gab es die ersten Ideen für die Einrichtung eines Museums. Doch wo sollte es entstehen? Das in Lissabon immer wieder beliebte Immobilien-Roulette wurde angestoßen.

Was wurde da nicht schon alles vorgeschlagen: Der Pavilhão do Futuro auf dem Lissaboner Expo-Gelände, der nun aber das Lissaboner Spielcasino beherbergt. Ein Grundstück auf dem verkehrsumtosten Praça da Espanha, das die Oriente-Stiftung sogar bereits aufgekauft hatte. Das Cinema São Jorge an der Avenida da Liberdade, das von der Stadt Lissabon doch weiter als Kino betrieben wird. Zu guter Letzt fiel die Wahl dann aber auf das ehemalige Lagerhaus für Stockfische (Armazém de bacalhau) direkt am Tejoufer in den Docks de Alcântara.

Die Notlösung erweist sich im Nachhinein als gar nicht so schlechte Wahl. Das knapp hundert Meter lange Kühlhaus wurde in den dreißiger Jahren vom Architekten João Simões im typischen Stil des Estado Novo errichtet - und nahm im Herzen der Lissaboner lange einen festen Platz ein, sicherte es doch den Nachschub für das portugiesische Leibgericht “Bacalhau”. Und so ist es vielleicht gar nicht falsch, dass an diesem alten Ort des Handels und des Austauschs nun das Museu do Oriente eingerichtet wurde, für das das Lagerhaus allerdings zunächst aufwändig umgebaut werden musste.

Und nun, mit saftiger Verspätung bei der Fertigstellung der Bauarbeiten, dafür aber gut ausgestattet mit den Millionen der Fundação Oriente, ist vom Museu do Oriente in Zukunft einiges zu erwarten: Als Ausstellungshaus, aber auch als Zentrum der asiatischen Kultur in Lissabon allgemein.

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Das Tor nach Asien: Der Eingangsbereich des neuen Museu do Oriente.
Foto: (C) Creative Commons-Lizenz /
Miguel A. Lopes “Migufu” auf Flickr

Denn selbst mit der für sich allein schon beeindruckenden Sammlung möchte sich das Museum nicht zufrieden geben: Regelmäßige Weltmusik-Konzerte, Führungen, Kinovorstellungen und Wechselausstellungen sollen das Museu do Oriente immer wieder ins Gespräch bringen - und die Portugiesen und Besucher Lissabons für die asiatischen Kulturen begeistern. Damit erhält Lissabon direkt am Tejoufer, auf halbem Wege zwischen Belém und der Innenstadt, ein neues Kulturzentrum, das mit Sicherheit auch weltweit von sich reden machen wird. Denn begreift das Museu do Oriente sich tatsächlich eher als Ort des Dialogs denn als Schatztruhe alter Ausstellungsstücke, so könnten von diesem alten Lagerhaus mit seinen aufgebrochenen dicken Wänden interessante Impulse ausgehen.

Und so hat der ferne Orient in Lissabon einen neuen Ankerplatz gefunden - nur wenige Kilometer von dem Ort entfernt, von dem aus Vasco da Gama am 8. Juli 1497 aufbrach, um den Seeweg nach Indien zu finden - und damit die Grundlagen für Jahrhunderte währende Beziehungen Portugals mit Asien schuf. Der Osten, er beginnt hier ganz im Westen.

Das Museu do Oriente befindet sich im ehemaligen Lagerhaus für Stockfisch (Armazém de bacalhau) am Dock von Alcântara. Der Eintrittspreis wird 4 Euro für einen Erwachsenen betragen. Das Museum ist vom Praça do Comércio oder dem Bahnhof Cais do Sodré mit der Buslinie 12 erreichbar, außerdem mit der Vorort-Bahn nach Cascais (Station Alcântara Mar). Offizielle Homepage unter
http://www.foriente.pt/194/the-museum.htm

Montag, 21. April 2008

15 Jahre CCB: Ein Kulturzentrum wird zum Monument

Autor: Gilberto

Fast hätte es niemand mitbekommen: Im letzten Monat feierte das Centro Cultural im Lissaboner Stadtteil Belém (CCB) seinen 15. Geburtstag. Vielleicht ist die Heimlichtuerei bei den Geburtstagsfeiern Symptom einer Art Midlife-Crisis, die das Haus derzeit durchlebt. Schon seit der Eröffnung im Jahr 1993 war das CCB dem Wohlwollen der Politik ausgesetzt - und ächzt immer mehr unter anhaltenden Mittelkürzungen.

Direkt neben dem filigranen Mosteiro dos Jeronimos im Lissaboner Stadtteil Belém ragt eine kantige, mit hellem Kalkstein verkleidete Trutzburg empor: Groß, unmissverständlich und wuchtig beansprucht das Centro Cultural de Belém dort seinen Platz. Entlang einer 200 Meter langen Achse bietet das CCB Raum für ein Konferenzzentrum, Schauspielhäuser und einen Museumskomplex.

Und trotz seines massiven Auftretens, für den das CCB lange heftig kritisiert wurde, ist das Haus noch immer nicht fertig: Schon in den Ursprungsplanungen für das Zentrum haben die ausführenden Architekten Manuel Salgado und Vittorio Gregotti zwei zusätzliche “Module” für das CCB vorgesehen: Eine Bibliothek und eine Hotelkomplex. Zu diesen sagt die Website des Kulturzentrums, diese seien “currently under way” - eine vornehme Formulierung für einen Zustand, der auch “man weiß es nicht” lauten könnte.

Pünktlich zu seinem 15. Geburtstag scheint das Centro Cultural de Belém mitten in der Midlife-Crisis zu stecken. Wo soll es hin? Was soll es bieten? Einen Raum für die teils hochkreative, vibrierende urbane Sub-Kultur Lissabons war das CCB nie - diese Szene hat seit kurzem auch einen idealen Raum in der Fábrica Braço de Prata gefunden. Ein Ort der künstlerischen Debatte, ein Treffpunkt der Hochkultur war es aber auch noch nie so recht - zumal die Mittelkürzungen in den letzten Jahren zu empfindlichen Einschnitten in der Programmgestaltung von Konzerthalle führten.

Das Centro Cultural de Belém.
Trutzburg der Kultur oder Ort immerwährender Sinnsuche?

Foto: (C) Creative Commons-Lizenz / Portuguese Eyes auf Flickr

Vielleicht liegt die latente Unbestimmtheit auch daran, dass die Gründung des CCB nicht aufgrund kultureller Notwendigkeiten erfolgte - sondern aus politischem Willen heraus. Ende der 80er Jahre merkte die Regierung unter dem heutigen Präsidenten Aníbal Cavaco Silva, dass es Portugal an einem geeigneten Austragungsort für die vielen Versammlungen während der EU-Ratspräsidentschaft 1992 mangele. Der stets ehrgeizige Cavaco Silva wollte der Welt zudem beweisen, wie weit Portugal in seinem Aufholprozess zu den wohlhabenden Staaten der EU gekommen war - und so leitete er den Bau des CCB ein: Als architektonisch herausragender Treffpunkt für die europäische Politikelite auf historisch symbolischen Boden - von Belém aus brachen einst die portugiesischen Seefahrer zu ihren Entdeckungsreisen auf. Und da ein solcher Monumentalbau nicht einfach abgerissen werden kann, wurde er zur weiteren Nutzung als Kultur- und Kongresszentrum konzipiert.

So blieb das CCB immer ein wenig steril, immer ein wenig kalt, auch wenn es für Besucher mit seinen inliegenden Parks und Gärten ein faszinierender Ort ist (und die Bar im Kongresszentrum mit Balkon zum Tejo hinaus ist noch immer ein feiner Geheimtipp für Lissabon-Besucher!).

Die Fragen über den kulturellen Standort des Zentrums sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass das CCB gerade auch unter ihrem heutigen Leiter António Mega Ferreira eine anerkennenswerte Arbeit für das Lissaboner Kulturleben leistet. Noch immer ist das Centro Cultural de Belém einer der meistbesuchten Orte für Konzertaufführungen speziell von klassischer Musik in der Stadt. Und das im vergangenen Jahr im CCB eröffnete Museum Berardo hat sich als wahrer Publikumsmagnet erwiesen: 250.000 Menschen zog es in den ersten sechs Monaten seit der Eröffnung der Colecção Berardo in diese Dauerausstellung von Meisterwerken moderner Kunst.

Andererseits ist gerade das Museu Berardo ein Symptom für die heutige Krise des CCB: Denn das Museum mit seiner Dauerausstellung belegt die Räume, die das einstige Centro das Exposições des Kulturzentrums beanspruchte. Hier fanden oft ambitionierte Wechselausstellungen statt, die etwa auch weltweite Debatten und neueste Trends aus Malerei, Fotografie und anderen Kunstrichtungen nach Lissabon brachten. Doch im Jahr 2006 sorgten die anhaltenden Mittelkürzungen vom Staat für ein Aus des Ausstellungszentrums - und eher lieblos wurde im CCB das Lissaboner Design-Museum untergebracht, das dann schon ein Jahr später von der Sammlung des Unternehmers Joe Berardo abgelöst wurde.

Bei allen immer wieder aufkommenden Zweifeln über seine Funktion erhält das CCB nun Rückendeckung von unerwarteter Seite - der Denkmalschutzbehörde IPPAR. Die will das Kulturzentrum in Kürze als “nationales Monument” klassifzieren - eine hohe Ehre, die nur den wenigsten modernen Bauten Portugals bislang zugekommen ist. Für eine derartige Klassifizierung sei es notwendig, dass die Menschen eine Einrichtung nutzen würden und dies täten, “weil sie den Ort mögen, und das, was er ihnen bietet” - so der IPPAR-Direktor Elísio de Summavielle in der Wochenzeitung Sexta. Geht es nach der IPPAR, hat das Publikum das Centro Cultural de Belém in ihr Herz geschlossen - nun müssen das Kulturzentrum und seine Geldgeber nur noch sehen, was sie mit diesem Zuspruch anfangen: Ob sie das CCB also in Ehren zum Monument erstarren lassen oder doch wieder mehr Gedankenanstöße in die Stadt geben wollen.

Mittwoch, 9. April 2008

Süße Medizin: Einst wurde Portwein sogar in Apotheken verkauft

Autor: Gilberto
Immer wieder heißt es, dass der - maßvolle - Genuss von Rotwein lebensverlängernd wirken kann: Das möchten wir als Weinfreunde nur zu gerne glauben. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein durfte Wein seine segensreiche Wirkung sogar als Medikament entfalten: Spezielle Medizinal-Portweine dienten der Erholung und Stärkung geschwächter Menschen.

Als José Ramos-Horta bei einem Attentat im Februar diesen Jahres schwer verletzt wurde, reagierte Portugals Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva schnell: Er sandte seinem ost-timoresischen Amtskollegen zur Genesung eine gute Flasche Portwein - sowie frische Pastéis de Belém.

Folgt man portugiesischen Presseberichten, so hat sich Ramos Horta über diesen kulinarischen Gruß sehr gefreut - und Wein und süße Teilchen hätten den Gesundungsprozess des Patienten sehr befördert. Und das hat auch einen guten Grund, wie der Wein-Experte João Paulo Martins nun seinen Lesern im Público erklärte (leider nicht online). Denn bis weit ins 20. Jahrhundert hinein hätten Ärzte immer wieder auf die wirksame Verbindung aus Portwein und Proteinen gesetzt.

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Wenn Medizin doch immer so gut schmecken würde…

Viele Hersteller hätten sogar spezielle medizinische Portweine an Apotheken geliefert: Die Abfüllungen mit den sprechenden Namen Invalid Port (Kopke) oder Recuperator Port (Ferreira) seien speziell mit tierischen Proteinen angereicherte Portweine gewesen. Zur Herstellung dieser über Apotheken vertriebenen Sorten wurden Viehknochen in die Mostbottiche fertig hergestellten Portweins gelegt, um so eine proteinreiche Wein-Arznei herzustellen. Die Medizinal-Portweine kamen meist zur Stärkung und zur Rekonvaleszenz geschwächter Menschen zum Einsatz. Und auch heute noch bietet Sandeman vor allem in Skandinavien seinen “Old Invalid Porto” an, der aber - man möge mich berichtigen - eher ein normaler Portwein zu sein scheint.

Nicht nur angereichert, auch pur hat der Portwein in der Medizin in der Vergangenheit oft segensreiche Wirkung gezeigt. Glaubt man etwa der Enzyklopädie der Volksmedizin von 1843, dann wurde normaler Portwein etwa in Glasgow sogar gegen Typhus eingesetzt:

“Jeder Typhuskranke hat im dortigen Hospitale seine Flasche starken Portwein neben sich stehen”

lautet es dort. Und auch, wenn die Quellenlage zumindest im Internet über das Phänomen des medizinischen Weins relativ dünn ist, so deutet doch manches auf eine weite Verbreitung des Portweins als Arzneimittel in ganz Europa hin. In Oldenburg importierte etwa der Weinhandel Wille Portwein als “Levante Doktor“.

Die medizinischen Wirkungen des Portweins sind heute ein wenig in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht. Es kann nie an guten Gründen mangeln, immer mal wieder zu einem Gläschen zu greifen - und sei es aus medizinischen Gründen!

Foto ist lizensiert unter (C) creative commons / Muffet auf Flickr

Montag, 31. März 2008

Die Stadt Porto und ihr Reichtum. Die Großkaufleute und der Welthandel

Gut recherchiert und locker dargelegt und erzählt von Ralf in seinem Blog "Briefe an Konrad"

Portugal - mehr Rechte für Bahnkunden

Ab 26. April gelten in Portugal neue gesetzl. Bestimmungen für Bahnkunden ( Decreto-Lei 58/2008 vom 26.März).
Danach kann ein Passagier 75% des Fahrpreises zurückverlangen, wenn er die Fahrt nicht antritt. Dies gilt für alle Regional-, Inter- regional- und Langstrecken.
Die Rückerstattung muss verlangt werden:
- bis 3 Stunden vor Abfahrt, wenn es sich um einen Zug mit Sitzplatzreservierung handelt (Alfa Pendular und Intercidades)
- bis 30 Minuten vor Abfahrt bei Regional- und Interregionalzügen.

Bei Verspätungen, die die Bahn zu vertreten hat, kann der Fahrgast die Erstattung des gesamten Fahrpreises verlangen unter folgenden Voraussetzungen (gilt nicht für Urbanos und Suburbanos)
a) verspätete Abfahrt:
- die Fahrtzeit soll regulär weniger als 1 Stunde dauern, die Verspätung beträgt mehr als 30 Minuten;
- die Fahrtzeit soll regulär 1 Stunde oder länger betragen, die Verspätung beträgt 60 Minuten;
b) verspätete Ankunft:
die Verspätung dauert 60 Minuten oder mehr u n d die tatsächliche Reisedauer (zuzüglich Verspätung) übersteigt 150% der fahrplanmässigen Reisezeit.

Der Fahrgast hat nach den neuen Bestimmungen ein Recht darauf, sich die Verspätung schriftlich bestätigen zu lassen.
Weitergehende Schadensersatzansprüche gegen die Bahn wegen Verspätung oder Ausfall eines Zuges sind auf 250 Euro beschränkt.
Die neuen Bestimmungen treten am 26. April in Kraft.
Quelle: http://dre.pt/pdf1sdip....0175401762.PDF

Das Meer nagt an der Costa da Caparica

Diesen sehr interessanten und gut rechererchierten Blogbeitrag von Gilberto vom 29.03.2008 haben wir gefunden bei portugalmania.de:

Der Lieblings-Strand der Lissaboner schrumpft: Das Meer nagt an der Costa da Caparica

Samstag, 29. März 2008

Die Schotten und der Weinanbau in Portugal

Ein Blick zurück in die Historie des Weinbaus in Portugal - amüsant und mit spitzer Feder erzählt von Ralf in seinem Blogbeitrag

Sehr lesenswert!

Dienstag, 25. März 2008

Neues Leben für die Baixa: 4 Großprojekte geplant

Nach dem Erdbeben von 1755 war Lissabons Unterstadt, die Baixa, das Symbol für Wiederaufbau und Wiederaufstieg der Kapitale. Über Jahrhunderte hinweg das unangefochtene Geschäfts- und Machtzentrum der Stadt, befindet sich die Baixa seit einiger Zeit aber in einem Selbstfindungsprozess. Büros und Läden sind an die Peripherie der Stadt gezogen - geblieben sind die Touristen. Geht es nach dem Willen des Bürgermeisters, sollen sie bald zwei neue Museen in der Baixa vorfinden - und über sechs Aufzüge bis hinauf zur Burg schweben können.

Was tun mit der Baixa? Das einst so strahlende Geschäftszentrum Lissabons hat in den vergangenen Jahrzehnten arg an Glanz eingebüßt. Und während Touristen noch immer durch die - von immer mehr internationalen Handelsketten besetzten - Straßen der Unterstadt schlendern, haben andere längst das Weite gesucht: Büros und Banken sind in glitzernde Türme am Stadtrand gezogen, und auch die Zahl der hier lebenden Menschen ging drastisch zurück.

Der Zahn der Zeit hat der Baixa doch recht stark zugesetzt. Rund 65 Prozent aller Gebäude in der Unterstadt sind renovierungsbedürftig, schätzt Lissabons Stadtplaner Manuel Salgado - dies entspreche einer bebauten Fläche von 14,4 Millionen Quadratmetern.

Mit einem groß angelegten Aktionsplan will die Stadt Lissabon nun ihrem Zentrum neues Leben einhauchen. Vorrangiges Ziel ist es, die Menschen wieder dazu begeistern, in der Innenstadt zu wohnen. Und auch den Touristen soll mehr geboten werden als die eintönige Aneinanderreihung der Filialen von H&M, Zara & Co.

Bis zum Jahr 2020 will Bürgermeister Antonio Costa mehr als 700 Millionen Euro in die Wiederherrichtung der Baixa pumpen - ein gigantisches Wiederaufprogramm, das schon fast an den Kraftakt des Wiederaufbaus Lissabons nach dem Erdbeben von 1755 erinnert. Mehr als zwei Drittel dieser Summe soll durch private Investoren bestritten werden - ein reduzierter Mehrwertsteuersatz auf dem Gebiet der Baixa könnte hier als Lockmittel wirken.

Das meiste Geld dürfte in die Sanierung der Bausubstanz fließen. Und außerdem hat der Stadtrat in seiner letzten Sitzung beschlossen, vier besonders dringliche Großprojekte vorzuziehen. Dabei handelt es sich um den Bau eines Aufzugs zur Burg, die Einrichtung von zwei neuen Museen in der Baixa und dem Anlegen eines neuen Parks am Carmo-Kloster.

Gerade der Bau eines Aufzugs von der Unterstadt bis zur Burg ist seit Jahren hochumstritten. Noch im Jahr 2001 sorgte der damalige Bürgermeister João Soares für Aufregung, als er Pläne für einen gigantomanischen Lift zum Castelo vorstellte, der die sanfte Silhouette Lissabons hart durchkreuzt hätte.

Nun ist das Thema Castelo-Aufzug zurück: Die neuen Pläne seien jedoch, so beteuert Manuel Salgado, weitaus bescheidener. Nach Medienberichten plant die Stadt nun eine Folge von sechs Aufzügen und Rolltreppen, um den Aufstieg zur Burg künftig zu erleichtern. Einstiegspunkt wird die Rua dos Fanqueiros sein - von dort geht es über die Rua da Madalena und dem Mercado Chão de Loureiro hinauf bis zur Costa do Castelo.

Ein schöner Plan - wäre da nicht das Unbehagen, das einen bei der Vorstellung von öffentlichen Aufzügen in Großstädten beschleicht. Vandalismus ist auch in Lissabon ein gut bekanntes Problem: Schnell könnten sich die Elevadores zur Burg in eine verschmutzte, selten funktionierende Investitionsruine verwandeln. Wäre hier nicht vielleicht die Einrichtung einer neuen Standseilbahn vorteilhafter gewesen? Die Frage des Aufzugs wird die Lissaboner Stadtpolitik wahrscheinlich auch über die nächsten Jahre hinweg begleiten.

Unstrittiger sind die weiteren Projekte. So soll der ehemalige Sitz der Banco Nacional Ultramarino nahe dem Praça do Comércio die neue Heimat für das aus dem Centro Cultural de Belém verbannte Design-Museum werden.

Und in die einstige Kirche São Julião nahe der Rua de Ouro zieht das Museum der Nationalbank ein. Ein Ausstellungshaus für den Mammon in einer Kirche? Ein seltsamer Gedanke - doch schlimmer, als mit der in den 30er Jahren entweihten Kirche São Julião heute umgegangen wird, kann es eigentlich nicht mehr kommen. Spötter nennen die Kirche schon lange Nossa Senhora dos Mercedes: Denn der ehemalige Kirchenraum wird von der Nationalbank als Garage genutzt, wie auch dieser Filmbeitrag von SIC Notícias zeigt. Die Banco de Portugal hat sich nun ein Herz gefasst und will São Julião nun zum repräsentativen Haupteingang ihres Stammhauses umgestalten und dort auch ihr Museum unterbringen.

Und schließlich, Projekt Nummer Vier, sollen nahe den Ruinen des Carmo-Klosters noch einige alte und illegal errichtete Polizei-Barracken abgerissen werden, an deren Stelle ein Park treten soll - sicher ein unstrittiger Vorschlag.

Jedes dieser Vorhaben ist sicher ein Gewinn für die Baixa. Doch der Erfolg des gesamten Plans dürfte letztendlich weniger von diesen kostspieligen “Leuchttürmen” abhängen als vom Umsetzen eines durchdachten Gesamtkonzepts. Darauf weist seit Jahren die Bürgerinitiative Cidadania LX hin - und fordert dafür auch ein entschlosseneres Handeln zur Verkehrsberuhigung der Baixa.

Immerhin - die Stadtverwaltung scheint begriffen zu haben, dass die Lage ernst ist. Das zeigt schon die geografische Eingrenzung des Aktionsplanes: Er umfasst exakt das Gebiet, das 1755 durch das Erdbeben zerstört wurde. Wir werden sehen, ob Bürgermeister Antonio Costa sich als neuer Marquês de Pombal erweist, der vor 250 Jahren für den ersten Wiederaufbau der Baixa sorgte.
Autor: Gilberto
Foto ist lizensiert unter (C) creative commons
/ James Glover auf Flickr